Betriebliche Wiedereingliederung am Beispiel der ÖBB
Als umfassender Mobilitätsdienstleister bringt der ÖBB-Konzern jährlich 459 Millionen Fahrgäste und 111,1 Mio. Tonnen Güter umweltfreundlich ans Ziel. 92 Prozent des Bahnstroms stammen aus erneuerbaren Energieträgern, zu 90 Prozent aus Wasserkraft. Die ÖBB gehörten 2015 mit 96,3 Prozent Pünktlichkeit zu den pünktlichsten Bahnen Europas. Konzernweit sorgen 40.031 MitarbeiterInnen bei Bahn und Bus (zusätzlich 1.700 Lehrlinge) dafür, dass täglich rund 1,3 Mio. Reisende sicher an ihr Ziel kommen.

Auch in Sachen betrieblicher Gesundheitsvorsorge zählt der Konzern zu den Vorzeigebetrieben Österreichs. „Als ich 1996 die Diagnose Multiple Sklerose erhalten habe und dies meinem Arbeitgeber mitteilte, haben sowohl meine Kollegen, als auch die Führungsriege rücksichts- und verständnisvoll reagiert. Mir wurde sofort jegliche Unterstützung bezüglicher meiner Krankheit und Arbeit zugesagt“, erzählt Martin Geicsnek, Systemtechniker der ÖBB und mittlerweile auch Betriebsrat für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Die Möglichkeit zwei Mal pro Woche die tägliche Arbeitsleistung von zu Hause aus mittels Teleworking zu erbringen ermöglicht Herrn Geicsnek einer Vollzeitbeschäftigung nachzugehen. Auch Projekte und Arbeitsaufgaben können eigenverantwortlich und flexibel gestaltet werden. „Somit wird negativer Stress, der auch zu einer Verschlechterung der Krankheit führen kann, vermieden.“ Wenn Martin Geicsnek einen schweren MS-Schub erfährt, so muss er rasch ins Krankenhaus um sich dort einer Cortison-Schubtherapie zu unterziehen. An fünf aufeinanderfolgenden Tagen werden dann jeweils 1000 mg Cortison intravenös verabreicht und im Anschluss folgen zwei Wochen orale Cortison-Therapie. Mit dem Ziel Berufsunfähigkeit zu vermeiden unterstützt der ÖBB-Konzern mit einem Maßnahmenplan, der auf die individuellen gesundheitlichen und persönlichen Voraussetzungen abgestimmt wird.

FachexpertInnen erarbeiten gemeinsam mit den betroffenen MitarbeiterInnen, den Führungskräften, den Betriebsräten und der Sicherheitvertrauensperson Maßnahmen, die vorrangig den Erhalt des bestehenden Arbeitsplatzes ermöglichen bzw. andere Einsatzmöglichkeiten innerhalb des ÖBB-Konzerns eröffnen sollen. Die Vermeidung von Berufsunfähigkeit sowie eine nachhaltige Wiedereingliederung von erkrankten MitarbeiterInnen in den Arbeitsprozess hat für das Unternehmen oberste Priorität.
Martin Geicsnek
Foto: Christian Stemper