Die Lücke schließt sich langsam: eine australische Langzeitstudie zur Beschäftigung von Australiern mit Multipler Sklerose
Hintergrund und Ziele: Vorhergehende Studien zeigten viel niedrigerer Beschäftigungsraten für MS-PatientInnen als für die Gesamtbevölkerung. Diese Beschäftigungslücke ist auch in Studien in den USA, Großbritannien sowie anderen europäischen Ländern nachgewiesen worden.  Querschnittstudien in neun europäischen Ländern zeigten Beschäftigungsraten, die von 26% in Spanien bis 42% in Italien reichten. Eine australische Langzeitstudie von 2003 bis 2007 ergab im Vergleich zur Gesamtbevölkerung eine signifikant niedrigere Beschäftigungsrate von MS-PatientInnen (-9,8%). Dabei war der Unterschied bei Männer größer (-16%) als bei Frauen (-4%). Die Studie zeigte auch, dass der langfristige Verlust des Arbeitsplatzes bei 5,4% über einen Zeitraum von vier Jahren lag. Bei Männern lag die Wahrscheinlichkeit den Job zu verlieren, 2,5-mal höher als bei Frauen.
Trotz dieses langjährigen Musters gibt es neuerdings Hinweise, dass die Beschäftigungsrate on MS-PatientInnen eine positive Entwicklung nimmt. 2012 zeigten Studien höhere Beschäftigungsraten als in vergangenen Jahren, die von 51% in Spanien bis 78% in Italien reichten. 2015 zeigte eine französische Studie eine Beschäftigungsquote von 68,1% für MS-PatientInnen zehn Jahre nach der Diagnose.
Der Global MS Employment Report 2016 stellte eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen verglichen mit 2010 fest. Während die Beschäftigungsquote nur leicht von 59% auf 61% anstieg, gaben mehr Beschäftigte mit MS an, dass sie ihr Arbeitsprofil nicht ändern mussten. Gleichzeitig mussten weniger MS-PatientInnen ihre Arbeitszeiten ändern oder in den Krankenstand gehen.
Unlängst ergab eine Studie in Finnland, dass es zu einer signifikanten Verringerung der Frühpensionen von denjenigen MS-PatientInnen gekommen ist, die erst vor wenigen Jahren mit MS diagnostiziert wurden, verglichen mit jenen, die in den Jahren vor dem Aufkommen von krankheitsmodifizierenden und symptomatischen Behandlungen (DTMs) ihre Diagnose erhielten. Gemeinsam mit der Unterstützung der Familie und des Arbeitgebers sind die Verfügbarkeit solcher Behandlungen sowie die Stabilität der MS die Schlüsselfaktoren um länger zu arbeiten.
In einer großen nationalen Stichprobe wurden nun der Beschäftigungsstatus, langfristige Veränderungen der Beschäftigung und die Maßnahmen zur Anpassung des Arbeitsplatzes/-umfeldes von 2010 bis 2013 untersucht.

Methoden: Von 2010 bis 2013 wurden durch die Australische MS Langzeitstudie Beschäftigungsdaten gesammelt, wobei 1.260 Personen auf alle vier Befragen antworteten. Die Beschäftigungsrate wurde mit der australischen Gesamtbevölkerung verglichen. Die Befragung enthielt auch Fragen zu den Maßnahmen der Arbeitsplatzanpassung sowie des Arbeitsumfeldes.

Ergebnisse: Die Beschäftigung (Voll- und Teilzeit) hat sich von 48,8% in 2010 auf 57,8% in 2013 erhöht, hauptsächlich aufgrund einer Erhöhung der Vollzeitbeschäftigung bei Männern. Die Beschäftigungslücke zwischen MS-PatientInnen und der Gesamtbevölkerung ist von 14,3% in 2010 auf 3,5% in 2013 gesunken. Die Erwerbstätigenquote männlicher MS-Patienten blieb jedoch signifikant unter derjenigen der Gesamtbevölkerung. Die überwiegende Mehrheit der MS-PatientInnen, die Anpassungen entweder ihres Jobs oder ihres Arbeitsumfeldes benötigten, haben diese auch erhalten.

Fazit: Die Beschäftigungslücke zwischen MS-PatientInnen und der Gesamtbevölkerung hat sich von 2010 bis 2013 verringert, wobei die Unternehmen die Ansuchen nach einer Anpassung des Jobs oder des Arbeitsumfeldes zumeist erfüllten. Allerdings verlangten viele MS-PatientInnen nicht nach den erforderlichen Anpassungen.
Die vollständige Studie auf Englisch können Sie auf www.msj.sagepub.com herunterladen.