Meine Hohzeitsreise nach Tansania Teil 2
Nachdem wir uns einen Tag vom Marathon erholt hatten, machten wir uns daran, den Kilimanjaro zu besteigen. Er ist in relativer Höhe gemessen (von seinem Beginn bis zum Gipfel) der höchste Berg der Erde, 
Wir wählten die Marangu Route. Dies bedeutet, dass wir in Hütten statt in Zelten schliefen. Wir entschieden uns für diese Variante, weil die Regenzeit bereits begonnen hatte.
Und diese Entscheidung sollte sich als richtig erweisen, da es wirklich jeden Tag am Nachmittag und am Abend regnete.
 
Wir starteten in 1800 Metern Höhe beim Marangu Gate.
Nach Durchwandern eines wunderschönen Regenwaldes erreichten wir die Marandu Hütten auf 2700 Metern Höhe in denen wir die erste Nacht verbrachten. Hier waren unsere super warmen Schlafsäcke noch nicht von Nöten. Aber umso dringender war die Verwendung von Ohropax angezeigt, da einer unserer Begleiter sehr laut schnarchte. L
 
Am nächsten Tag durchquerten wir eine sehr schöne Heidelandschaft zu den Horombo Hütten auf 3760 Metern Höhe.
Von Beginn an waren die Bergführer sehr bedacht darauf, dass wir möglichst langsam gehen, um eine bestmögliche Akklimatisierung zu erhalten.
Normalerweise sollte man ja bei Höhenwanderungen maximal 300-500 Höhenmeter pro Tag absolvieren.
Doch am Kilimanjaro geht es ums Business und daher versucht man die Menschen möglichst rasch rauf zu lotsen, um eine möglichst große Anzahl von Personen auf den Berg zu bringen. Jedes Jahr besteigen 30.000 Menschen den Kilimanjaro. Aber nur 20.000 schaffen es dann letztendlich. Dramatischer ist jedoch der Umstand, dass jährlich auch 30 Menschen auf diesem Berg bei der Besteigung sterben.
 
Wir spürten die Höhe – nur 200 Meter unter der Höhe des Großglockners – schon sehr deutlich. Jede größere und schnellere Belastung quittierte der Körper sofort mit Atemlosigkeit. Und auch die vorausgesagten Kopfschmerzen stellten sich langsam ein.
Wir beide verzichteten aber auf die Einnahme von speziellen Medikamenten, die die Symptome der Höhenkrankheit lindern.
Ich nahm lediglich ein Medikament gegen die Kopfschmerzen, das ich auch bei meinen häufigen MS indizierten Kopfschmerzen verwende.
 
In der Nacht auf 3760 Metern bemerkte ich auch, dass ich nicht wie gewohnt beim Schlafen normal und ruhig atmen konnte und ich immer wieder sozusagen „Nachatmen“ musste.
Ich atmete normal ein, hatte aber den Eindruck, dass ich zu wenig Sauerstoff bekam und so schnappte ich gleich danach nochmals nach Luft.
Da es sich nicht anders ausging, musste ich auch während der Besteigung drei Mal Copaxone injizieren, was aber nicht problematisch war.Prinzipiell muss ich sagen, dass die MS mit zunehmender Höhe „besser“ wurde, sich also die Alltagsprobleme verbesserten. Eine Erklärung dafür habe ich aber nicht.
 
Am dritten Tag legten wir einen Akklimatisierungstag ein. Wir wanderten auf 4300 Meter Höhe zu den Zebrarocks und dann wieder zurück zu den Horombo Hütten.
Die Landschaft dort oben ist geprägt von drei Meter hohen Sukkulenten. Ein Koch begleitete uns und bereitete unser Essen, das  immer wirklich gut schmeckte und sehr bekömmlich war.
Zum Trinken hatten wir Tee und abgekochtes Wasser, das wir zusätzlich mit Micropur desinfizierten.
 
Am vierten Tag wanderten wir dann zur Kibu Hütte auf 4700 Metern Höhe.
Hier oben gibt es keine Säugetiere und auch die Vegetation ist mehr oder minder inexistent.
Die Schritte fallen schon deutlich schwerer, und man muss noch langsamer zu gehen. 
Nach einem schier endlosen Weg durch Steinwüsten erreichten wir am Nachmittag die Kibu Hütte.
Dies ist eine Steinhütte, die eigentlich nur als Schutz vor Wind und Regen dient. 
Wie alle anderen Hütten ist natürlich auch diese Hütte nicht geheizt und wir aßen unser Abendessen um 17 Uhr in unseren warmen Jacken.
Die Aussicht von hier oben war gigantisch schön. Riesige Wolkenberge zogen unter uns vorbei.
 
Nach einer schlaflosen und sehr kurzen Nacht wurden wir um 23 Uhr aus dem Bett geholt.
Als ich während der Nacht zur Toilette musste sah ich bereits, was uns dann zu Mitternacht erwartete.
Es war nämlich ein Wintergewitter aufgezogen und es schneite und stürmte sehr stark.
 
Wir gingen nach einem kurzen Frühstück gegen 0:30 los. Es lagen zu dieser Zeit bereits ca. 30-40 cm Schnee und so mussten wir selbst spuren, was sehr anstrengend war, da wir ja auf knapp 5 Kilometer Weg über 1000 Höhenmeter zurücklegen mussten.
Der Weg war so steil, dass wir nicht gerade hinaufgehen konnten, sondern immer wieder im Zick Zack Muster gehen mussten um die Höhenmeter bewältigen zu können.
 
Als psychisch sehr belastend erwies sich das starke Gewitter, da der Donner immer sehr kurz nach den Blitzen auftrat und wir daher wussten, dass sich das Gewitter genau über uns befand. Bei solch einem Wetter würde zu Hause niemand auf einen Berg gehen!
 
Gleichzeitig mit uns waren auch eine Gruppe aus der Schweiz und eine große Gruppe aus Malaysia am Weg zum Gipfel.
Bei den Malayen sahen wir einen Guide, der eine Frau vor sich her schob und gleichzeitig hatte eine Frau hinter ihm ihre Arme um seinen Bauch geschlungen und lies sich ziehen.
So schob und zog er die beiden Frauen den Berg hoch. Verrückt!!!
 
Ca. 200 Höhenmeter vor dem Gilmans Point änderte sich die Wegstrecke dahingehend, dass wir nun durch und über sehr große Felsbrocken gehen mussten.
Aufgrund des Schnees war diese Passage sehr rutschig und ich dachte schon mit großen Befürchtungen an den Abstieg über diesen Weg.
Die letzten 30 Meter wurden dann noch einmal schlimmer und wir erreichten dann endlich den Gilmans Point auf 5685 Metern Höhe.
Wir waren darüber natürlich sehr glücklich, doch in meinem Kopf geisterte die ganze Zeit nur die Aversion gegen den Abstieg auf dieser Route herum.
Nachdem wir den Weg, der weiter zum Uhura Peak gehen würde, gesehen haben und das ohne Sicherung für mich wegen der MS und der damit verbundenen Unsicherheit auf Gelände, auf dem man abstürzen kann, nicht in Frage kam, beschlossen wir gleich wieder abzusteigen.
Denn der Gilmans Point gilt bereits als Besteigung des Kilimanjaro, da man den Kraterrand erreicht hat.
Ein Bergführer der die restlichen 45 Minuten zum Gilmans Point weiter gegangen ist, meinte, dass es drei Stellen gab, an denen der Weg stark ausgesetzt war.
Also war unsere Entscheidung richtig.
 
Wir knipsten noch rasch das Foto mit dem Zettel den ich bereits zu Hause gedruckt und laminiert habe und auf dem ganz groß steht: „Fight MS“
 
Dass ich dieses Foto am Kraterrand des Kilimanjaro schießen konnte war mir eine Herzensangelegenheit und ich hoffe, dass dies anderen MS Patienten Mut macht niemals aufzugeben.
 
Der Abstieg erwies sich über die Felsen so wie ich es erwartet habe.
Es war sehr rutschig und ich musste immer wieder unter zu Zuhilfenahme der Hände runter rutschen.
Nach den Felsen wartete dann eine lange Wegstrecke bis zur Kibu Hütte auf der wir immer wieder richtiggehend wie auf Skiern bergab rutschten.
 
Nach einem Essen auf der Kibu Hütte und einem kurzen Ruhen begannen wir dann den Abstieg bis zur Horombo Hütte.
Hier erhielten wir das Abendessen und danach schliefen wir tief und fest. Auch das Schnarchen konnte ich in dieser Nacht ausblenden…
 
Am nächsten Morgen wurde uns dann von allen tansanischen Begleitern – es waren insgesamt acht Personen – das Kilimanjaro Lied gesungen und wir begannen dann den Abstieg bis zum Marangu Gate. Dies bedeutet, dass wir knapp 2000 Höhenmeter runter gingen.
 
Am Gate angelangt erhielten wir die Diplome über die geschaffte Besteigung und die Träger und die Guides ihr Trinkgeld. Wir schenkten ihnen dann noch unsere neuen Schlafsäcke, Wanderschuhe, Thermosflaschen, Gore Tex Jacken und sonstiges Gewand.
Sie können all dies sicher sehr gut gebrauchen.
 
Nach einer weiteren Nacht im Hotel begannen wir dann unsere dreitägige Safari im Tarangiere, Lake Manjara und Ngorongoro  Nationalpark.
Es war traumhaft schön Löwen, Elefanten, Geparden, Nilpferde, Zebras und noch viele andere tolle Tiere die man bei uns nur aus dem Tiergarten Schönbrunn kennt in freier Wildbahn zu sehen.
 
Nach der Safari flogen wir nach Sansibar wo wir in einem traumhaft schönen Hotel am weißen Sandstrand noch vier Tage Badeaufenthalt verbringen konnten.
An einem dieser Tage besuchten wir noch Stonetown und unter anderem auch das Geburtshaus von Freddy Mercury (ich bin ein großer Queen Fan…)
Bei einem Besuch von Prison Island konnten wir Riesenschildkröten streicheln. Ein absolutes Highlight dieser Reise.
 
Diese dreiwöchige Reise hat so ziemlich alles beinhaltet hat: Extreme körperliche Belastungen, phantastische Tierbeobachtungen bis hin zum kitschig schönen Badeaufenthalt auf Sansibar.