Novembergedanken
Der Herbst verabschiedete sich in bunter Pracht, da und dort leuchteten noch ein warmes Rot oder ein zartes Ockergelb in der Sonne, so sie nicht durch den Hebstnebel verschleiert durch den Himmel zieht. 

Der Herbstwind ließ Drachen steigen, das Laub rascheln und er wirbelte Blätter durch die Luft. Das war die fröhliche Seite des Herbstes, die ich mochte, es wob sich jedoch leiser Abschiedsschmerz ein. Der Apfelbaum im Garten streckte seine blätterlosen Äste schon etwas traurig von sich. Die Novembermelancholie kroch auch ihm durchs Geäst.

Der November, ich mag ihn. Er trägt meine Melancholie, wenn ich schwer meine Mutgedanken finden kann. Er nimmt alles auf, Melancholie ist sein zweiter Vorname. Ich lasse mich einfach in die Melancholiehängematte fallen und träume mich davon. Es kann dann schon passieren, dass ich mich in den Schlaf schluchze. Diesen Zustand nenne ich meine innere MS, ich spüre sie und lasse sie auch zu. Man darf auch hin und wieder schwächeln. Dann füttere ich die MS mit Baldrian und Bachblüten, das beruhigt sie.

Wenn ich dann "ausgeträumt" habe und mich meine verlegten Gebeine, entgleisten Wirbelkörper und verkrümmten Arthrosefinger aus dem Bett jage, habe ich trotz allem die Gelassenheit des Seins wiedergewonnen. Ich verwöhne mich mit einer warmen Dusche mit Kaltguss zum Schluss. Dann balsamiere ich mich mit Kühl- und Wärmesalben ein, mache ein paar Lockerungsübungen und serviere mir ein Glücksfrühstück: Dinkelflockenbrot mit Preiselbeeren und dazu ein kleines Stück dunkler Schokolade. Fencheltee und eine Tasse schwarzen Kaffee und schon trägt der Tag das Prädikat "fröhlich".

Und wenn ich dann auch noch Radfahren kann, sind jegliche Gemütsschwankungen mit dem Zug abgereist. Meine Paraffinbäder für die Finger und mein außergewöhnlich traumhafter Physiotherapie-Engel lassen mich vergessen, dass ich irgendwelche Schwächen oder gar Beschwerden hätte.

Naja und überhaupt ist jetzt Advent,meine Tochter bekommt ihr Baby, und ich das dritte Enkelkind. Das ist Weihnachten für mich und da habe ich ohnehin keine Zeit mehr für die Novembermelancholie - mit der muss der November jetzt ohne mich fertigwerden.

Um für dieses unglaubliche Wunder fit zu bleiben, werde ich weiterhin meine Muskeln stärken, meine Dehnübungen machen und Licht- und Kraftgedanken in mir tragen.

Ich wünnsche allen einen wunderschönen Advent. Möge die Zeit der Tausend Lichter, Besinnlichkeit und Freude allen Mut und Zuversicht bringen, wenn es gerade nicht so gut läuft.